Wie gefährlich ist es wirklich, wenn eine Drohne auf einen Mensch stürzt?

Drohnen dürfen aus Sicherheitsgründen nicht über und in der Nähe von Menschengruppen fliegen, das weiss hoffentlich mittlerweile jeder Drohnenpilot. Was aber passiert eigentlich genau, wenn eine Drohne mit einem Menschen kollidiert? Ist es tödlich, gibt es schwere Verletzungen oder “nur” ein paar schmerzhafte Schnitte?

Fragen, die die Alliance for System Safety of FAS through Research Excellence (ASSURE) in einer einzigartigen 18-monatigen Studie untersucht hat. In der “Phase-II-Bodenkollisionsstudie” wurden mögliche Kopfverletzungen durch Kollisionen von handelsüblichen Kameradrohnen analysiert. Ziel der Studie war es, herauszufinden, wie man Drohnen sicherer konstruieren kann, um schwere Verletzungen zu minimieren.

Erkenntnisse der Studie

Die Ergebnisse der Studie sind auf den ersten Blick überraschend: Auch wenn die Videos recht dramatisch aussehen, zeigt die ASSURE Studie, dass die handelsüblichen Drohnenmodelle relativ flexibel und elastisch sind. “Drohnen wie eine DJI Phantom und Mavic Pro absorbieren tatsächlich eine beträchtliche Menge der Aufprallenergie”, sagt David Arterburn, der leitende Forscher von ASSURE.

Die häufigsten Verletzungen bei Kollisionen mit dem Kopf waren Schnittwunden, Schnitte und Prellungen. Die Schwere möglicher Gehirnerschütterungen ist aber nicht so einfach einzuschätzen und muss weiter untersucht werden. In einem Fall gab es schwere Augenverletzungen durch die Propeller. Eine der klaren Empfehlungen von ASSURE ist daher der Einsatz von Propellerschutzabdeckungen.

Die Studie zeigt aber auch auf, das eine große Gefahr der Drohne von der Nutzlast (“Payload”) ausgeht, weil diese im Gegensatz zum Plastikrahmen in der Regel sehr hart und unflexibel ist und die Aufprallenergie nicht abfangen kann. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sie außen an die Drohne angehängt werden.

So stellt beispielsweise ein Akku, der außen an der Drohne platziert wird, ein größeres Verletzungsrisiko dar, als wenn er komplett in die Drohne integriert ist.

Es ist anzunehmen, dass es in Zukunft Vorschriften darüber geben wird, welche Nutzlasten an einer Drohne und welche Art der Integration erlaubt sein werden. Fallschirm-Sicherheitssysteme, wie die von ParaZero und Indemnis, können das Verletzungsrisiko erheblich reduzieren, allerdings sind noch zahlreiche Test unter besser kontrollierten Bedingungen erforderlich, um genauere Aussagen treffen zu können.

Die erste Studie zum Verletzungsrisiko durch Drohnen

Die Studie dürfte die erste wissenschaftliche umfangreiche Studie zu den Verletzungsrisiken von Drohnen sein. Insgesamt wurden 512 Aufpralltests wurden mit 16 verschiedenen unbemannten Flugzeugtypen durchgeführt, darunter beliebte Drohnenmodelle wie die DJI Phantom und Mavic Pro. Die Forscher verwendeten auch verschiedene Arten von Nutzlasten (Batterien, Holzblöcke) mit einem Gewicht von 322 Gramm bis zu 5,89 Kilogramm.

Eines der Test-Setups der ASSURE Studie zum Verletzungsrisiko von Drohnen.

Neben der Erforschung der Verletzungsrisiken durch einen Drohnencrash zielte die Studie auch darauf ab, eine Methodik für Sicherheitsprüfungen zu entwickeln und der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA Empfehlungen zu geben.

Den gesamten Report (auf Englisch) könnt ihr hier lesen.

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