Autel EVO II – der DJI Mavic Pro Herausforderer

Nachdem GoPro und 3DR ihre Drohnenproduktion komplett eingestellt haben und auch andere Hersteller wie Parrot und Yuneec mit eher geringen Absatzzahlen zu kämpfen haben, schien die Vormachtstellung vom chinesischen Drohnenanbieter DJI auf lange Sicht ungefährdet. Mit Skydio und Autel sind nun aber wieder zwei Unternehmen auf dem Markt, die sich mit viel neuer Technologie einen Platz auf dem Markt erkämpfen wollen. Gut für uns, den wir können uns über mehr Auswahl an Modellen und niedrigere Preise freuen. Aber was können die Herausforderer wirklich bieten? Heute testen wir die neue EVO II von Autel!

Die Kameradrohne Evo II von Autel.

Die Bildqualität im Fokus

Autel Robotics hat mit der EVO II eine Drohne vorgestellt, die vor allem mit herausragenden Kameraspecs viel Aufmerksamkeit erregt hat. Die Evo gibt es in drei verschiedenen Kameraversionen zu kaufen:

  • Evo II mit einer 8K-Kamera
  • Evo II Pro mit einer 6K-Kamera mit 1-Zoll Sony Bildsensor und einstellbarer Blende
  • Evo II Dual mit Thermalkamera und 8K-Kamera kombiniert
Die drei Kameraoptionen der Evo II: 8K (links), 6K (Mitte) und Thermalkamera (rechts).

Die Ausführung Evo II bietet eine Kamera die mit 48 MP eine 8K-Auflösung (8.000 x 6.000 Bildpunkte) liefert. Die Kamera hängt an einem 3-Wege Gimbal und ist mit einem Sony 1/2-Zoll-Bildsensor ausgerüstet. Das 35-mm-Objektiv verfügt außerdem über eine besonders gute Lichtstärke mit einer F/1,8-Blende.

Eher an professionelle Foto- und Filmemacher richtet sich die Ausführung Evo II Pro: Hier kommt ein 1-Zoll-Bildsensor zum Einsatz, während die 8K-Evo mit 1/2-Zoll auskommen muss Das heisst, dass ihr bei der Evo II Pro letztendlich klarere, detailreichere Bilder erwarten könnt, obwohl die Kamera “nur” 6K Auflösung liefert. Dafür haben Fotofragen die volle Kontrolle für die Aufnahmen über eine einstellbare Aperture (f/2,8 bis f/11).

Die dritte Ausführung ist die Evo II Dual, die zusätzlich zur 8K-Kamera eine Wärembildkamera (eine FLIR LWR) für IR-Aufnahmen im Format 640 x 512 Pixel bietet. Die Auflösung ist damit 4x so hoch wie bei der Mavic 2 Enterprise Dual. Die Evo II Dual ist damit sehr interessant für Rettungskräfte, industrielle Anwendungen oder eine Nutzung im Baubereich – beispielsweise zur Bewertung des thermischen Sanierungszustandes von Gebäuden oder Inspektionen von Solaranlagen. Aber Vorsicht: Wer die Evo II für Vermessung und Kartografierung einsetzen will, sollte wissen, dass Autel bisher nicht von den großen Kartierungssoftwareanbietern (SkyeBrowse, DroneDeploy und Pix4DCapture) unterstützt wird, so dass alle Bilder manuell oder mit der Autel eigenen Software “Autel Explorer” erfasst werden müssen.

Ein besonderer Pluspunkt: das Kamerasystem der Evo II ist modular, das heisst ihr könnt euch jederzeit eine der anderen Kameraoptionen kaufen und an der Drohne verwenden. Damit lässt sich die Drohne sehr flexibel für verschiedene Einsatzbereiche ausrüsten.

Bildqualität der Evo II im Vergleich zur Mavic 2 Pro

Wir konnten die Aufnahmen der Autel Evo II Pro mit 6K mit einer Mavic 2 Pro direkt vergleichen. Zur Erinnerung, die Mavic 2 Pro bietet ein sehr ähnliches Paket mit einer 20 MP Hasselblad Kamera mit einem 1-Zoll CMOS Sensor.

Im direkten Vergleich der DNGs konnten wir keinen klaren Favoriten ausmachen, Schärfe und Auflösung sind bei beiden Kameras gleich gut. Bei genauerem Heranzoomen hatte die Autel Kamera die Nase vorn bei Bildrauschen, welches bei der Mavic Pro deutlicher zu sehen war. Dafür schien die Evo II einen Hauch mehr zu Kameraflares zu neigen. Bei den JPEG Files zeigte sich ein recht starkes Nachschärfen der Fotos durch den Autel Bildalgorithmus und auch die Farbtemperatur gefiel und bei der Mavic ein wenige besser. Aber um ehrlich zu sein: Die Unterschiede sind minimal, beide Kameras liefern eine sehr gute Qualität und die Autel EVO II Pro steht der Mavic 2 Pro nichts nach.

Flugperformance und Reichweite

Eine gute Kamera ist aber nicht alles. Eine gute Drohne muss auch bei Flugzeit, Reichweite und Hinderniserkennung überzeugen. Auf dem Papier schafft das die Evo II problemlos: Der Akku ermöglicht eine Flugzeit von maximal 40 Minuten und übertrumpft damit die DJI Mavic 2. In der Realität schaffte die Evo im Test gute 30 Minuten, was immer noch eine sehr guter Wert ist – auch bei den DJI Drohnen erreicht man unter realen Flugbedingungen niemals die angegebene Flugzeit. Die Spitzengeschwindigkeit liegt wie beim Konkurrenten DJI Mavic bei 72 km/h (was aber natürlich Akkuleistung frisst), im Normalmodus 54 km/h.

Die Autel EVO II im Flug.

Die Evo II kommt mit einer Fernsteuerung mit integriertem 3.3″ OLED Display und verspricht eine Video-Funkübertragung mit 720p HD-Auflösung aus bis zu 5 km (in Europa, auf dem US-Frequenzband bis zu 9 km). Aber hier schwächelte die Evo-Drohne im Test deutlich, die Übertragung brach oft schon nach einigen hundert Metern ab. Auch wenn die Reichweite technisch bedingt je nach Umgebung sehr stark abweichen kann, kann Autel die versprochenen 5 km bei weitem nicht erreichen. Wirklich tragisch ist dies aber nicht: in Deutschland, wie auch in den meisten anderen Ländern, ist grundsätzlich Fliegen nur in Sichtweite erlaubt, was eine Distanz von mehreren Kilometern ohnehin ausschliesst. Warum Drohnenhersteller so aggressiv mit Reichweite werben, die sie ohnehin nicht erreichen, erschliesst sich uns allerdings nicht.

Qualität und Handling der Evo II

Die Autel Drohne hat ein relativ kompaktes Design mit einklappbare Rotoren für den Transport und kommt auf ein Gewicht von gut 1,1 kg. Auch mit dabei: eine automatische Hinderniserkennung mittels insgesamt 12 Sensoren (die alle Richtung auch nach oben und unten abdecken), die die Evo II auf einem alternativen Flugpfad an Objekten vorbei lotst. Mit Hilfe der iOS/Android Autel Explorer App könnt ihr die üblichen intelligente Flugmodi wie Orbit, GPS Follow, Dynamic Track (automatische Objektverfolgung per visueller Objekterkennung), Viewpoint und Flugplanung per Wegpunkte nutzen und natürlich die Einstellungen der Kamera anpassen.

Die Evo II hat 12 optische Sensoren zur Erkennung und Vermeidung von Hindernissen.

Das Flugverhalten der Evo II hat uns sehr gut gefallen, die Drohne liegt gut in der Luft und kommt auch mit Wind gut zu Recht. Die Hinderniserkennung funktionierte an unserem Test-Baum zuverlässig. Auch die Steuerung der Drohne war kein Problem, allerdings blieb ein subjektiver Eindruck, dass alle Einstellung ein bisschen “umständlicher”, manches etwas frickeliger war als bei Konkurrenten DJI. Beispielsweise schien uns die Einstellung der Gimbalsensitivität bei DJI etwas besser gelöst. Dieser Eindruck wiederholte sich beim “Anfassgefühls” des Gehäuses. Kein echtes Problem, aber da kann Autel sicher noch zulegen.

Preis-Leistungsverhältnis der Autel Evo II

Die Evo II positioniert sich ganz klar gegen DJIs Mavic Pro Serie und setzt preislich knapp darunter an. Nach dem Marktstart in den USA im Frühjahr 2020 ist die Drohne nun auch hier wirklich erhältlich und lieferbar. Das Basismodell Evo II startet aktuell bei circa 1.450 €, das Modell Evo II Pro ist ab circa 1.700€ (im rugged buddle mit zusätzlichen Akkus für ab circa 1.900€ erhältlich, für die Evo II Duo gibt es den Preis nur auf Anfrage (allem Preise galten zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels).

Für wen eignet sich die neue Autel Evo II? Autel möchte Fotografen und Filmen ansprechen und bietet mit der 8K und der 6K Kamera eine sehr gute Bildqualität für einen fairen Preis. Was ganz klar für die Autel Drohne spricht: Das modulare Setup mit der Möglichkeit, ganz einfach die Kamera zu wechseln. Diese Flexibilität bietet DJI in der Form nicht. Die Bildqualität der Evo II sind sehr gut, aber auch nicht wirklich sichtbar doppelt so gut wie die 4K Kamera der DJI Mavic Pro. Dennoch bietet sie eine schöne Leistungsreserve für Fotografen.

Eigentlich würde das die Drohne auch zur perfekten Wahl für den gewerblichen, professionellen Einsatz machen – aber durch die fehlenden Schnittstellen zu den gängigen Mapping-Softwareanbietern und dem etwas weniger robusten Eindruck der Evo II würden wir dieser Anwendergruppe eher zur DJI Mavic Enterprise raten.

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