Die 100 €-Drohne SG900-S – günstiger Mavic-Klon?

Es gibt unzählige No-Name Drohnen auf dem Markt, aber eine Drohne ist mir in den letzten Wochen aufgefallen: Die SG900-S. Der niedrige Preis von 100 € und die Werbepräsenz hat das Interesse zahlreicher Leser geweckt. Nun wäre das nicht der erste (optische) DJI Mavic-Klon, bei dem mit aggressivem Marketing billigstes chinesisches Elektrospielzeug auf den Markt gepusht wird (z.B. die DroneX Pro). Zur SG900-S gibt es aber durchaus einige begeisterte Fürsprecher in englischsprachigen Reviews. Grund genug, mal einen genaueren Blick auf das Angebot zu werfen und mit den Alternativen zu vergleichen.

Die SG900-S GPS-Drohne

Zuerst einmal die technischen Spezifikationen: Die SG900-S ist ausgerüstet

  • einem GPS-Modul
  • einer Kamera mit 1080p Auflösung
  • einem 7.4V 1100mAh Akku mit einer
  • max. Flugzeit von 10 Minuten
  • Gewicht 207 Gramm (inkl. Akku)
  • die Wifi-Range für die Bildübertragung beträgt ca 50-80 Meter
  • die Controller-Verbindung soll eine maximale Range von bis zu 300 Meter haben

Positiv

Ein klares Plus ist das Vorhandensein eines GPS-Moduls – damit wird der Flug stabilisiert und die Drohne ist deutlich leichter und frust-freier zu fliegen als eine ohne GPS. Die SG900-S bietet sogar Funktionen wie ein Return-to-home oder Follow-me. Allerdings sind diese Zusatzfunktionen mit Vorsicht zu geniessen: Da keinerlei Sensoren zur Hindernisserkennung vorhanden sind, wird die kleine Drohne in jeden Baum und Ast fliegen, der sich auf der Flugroute befindet.

Auf den ersten Blick fällt auf, dass die Drohne sich optisch stark an das faltbare Design eines DJI Mavic Air anlehnt. Zusammengeklappt ist die SG900-S nur 18 x 14 x 4 cm gross und 207 Gramm leicht – das ist ein wirklich kompaktes Design und sehr reisetauglich. Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten mit dem deutlich teuren DJI Mavic.

SG900-S Abmessungen

Natürlich darf man an die Kamera nicht die gleichen Erwartungen stellen wie bei einer Kameradrohne für 600 Euro. Die Kamera der SG900-S schafft eine Auflösung von bis zu 1080p, allerdings nur, wenn die Aufnahmen auf eine SD-Karte gespeichert werden. Die SD-Karte (mind 16 GB Class 10) muss separat erworben werden. Für den Preis ist die Bildqualität der Fotos ganz ordentlich und reicht zumindest für Selfies. Das Video leidet vor allem unter der fehlenden Bildstabilisierung und liefert ein sehr wackliges, unruhiges Bild.

Gesteuert wird die kleine Drohne über das Smartphone oder Tablet (es gibt sowohl eine Android als auch eine iOS-App), und sie lässt sich durchaus gut steuern und fliegen. Die App (LW FPV) kann bequem über einen QR Code heruntergeladen werden und ist gar nicht so schlecht. Ich hatte keine grossen Erwartungen, aber die App ist relativ verständlich und nicht abgestürzt.

Funktionsbuttons in der App der SG900-S.

Negativ

10 Minuten Flugzeit sind doch relativ wenig und auch nur bei guten Bedingungen (kein Wind, relativ konstante Fluggeschwindigkeit) erreichen. Wirklich ärgerlich ist aber, dass kein separater Ersatzakku verfügbar ist, mit dem man die Flugzeit unkompliziert verlängern könnte. So bleibt einem nur, die relativ lange Ladezeit von 3 Stunden abzuwarten, bevor es weitergehen kann. Da bieten andere Modelle mehr Flexibilität.

Das Setup der SG900-S kann etwas mühsam sein, zumindest wenn man kein Englisch spricht: es gibt keine Anleitung in Deutsch. Grundsätzlich ist das Handling aber nicht komplizierter als bei anderen Modellen. Das weisse Kabel ist zum Laden des Controllers, das dickere schwarze Kabel zum Laden der Drohne. Wie bei jeder GPS-Drohne muss das GPS initial vor dem ersten Flug kalbert werden. Diverse Videos auf Youtube führen Schritt für Schritt durch den Setup.

Das Plastik des Gehäuses fühlt sich relativ billig an und verrät den günstigen Preis. Die Kameraneigung muss übrigens von Hand eingestellt werden vor dem Start – sie kann nicht über die App eingestellt werden!

Die SG900-S im eingeschaltenen Zustand.

Die fehlende SD-Karte ist ärgerlich für alle, die über diesen Aspekt erst nach dem Auspacken stolpern. Eine 16 GB Karte kostet allerdings nicht die Welt.

Fazit

Die SG900-S ist angesichts des sehr günstigen Preises eine ganz ordentliches Einsteigermodell. Mit einem Mavic Air kann man sie aber in keinerlei Hinsicht vergleichen, weder bei der Bildqualität, Flugsteuerung, noch bei der Ausstattung mit Sensoren. Für ein bisschen Flugspass und ein paar Selfies ist die Drohne aber eine gute Wahl.

Alternativen zur SG900-S im Preisbereich von knapp über 100 € sind beispielsweise die Eachine E511S, die ein paar Minuten längere Flugzeit verspricht, aber nur eine unzuverlässige, fehlerhafte App bietet. Etwas zuverlässiger, aber auch durch sein geringes Gewicht auch etwas weniger stabil in der Luft ist der sehr beliebte DJI Ryze Tello. Wer vor allem das Fliegen einer Drohne erlernen und üben will, sollte auch in Erwägung ziehen, bewusst eine Drohne ohne GPS-Unterstützung zu kaufen, wie zum Beispiel die Eachine E58 oder der günstigeren Hubsan H107C X4.

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